untitled // #metoo

mixed media, photo auf acryl-glas, Folie auf billy-regal, wasserhahn

Im Zuge der #metoo-Debatte habe ich versucht, eine Installation/fiktive Ausstellung zum Thema zu entwickeln bzw. dazu zu arbeiten. Ich wollte damals nicht gleich „los schmettern“ – sondern mir Zeit lassen, dieses Thema genauer zu untersuchen.

Vorweg möchte ich los werden, dass die #metoo-Debatte grade für Betroffene sicher kein „Spaß“ ist – zu jeder Tageszeit im Radio, Fernsehen und Social-media davon zu hören und zu lesen, bedeutet gleichzeitig, andauernd getriggert zu werden – was den Alltag ungemein erschweren kann. Auch wenn es sich lohnt, ist und bleibt die Konfrontation eine Herausforderung.

Ich habe versucht, die Vielschichtigkeit eines Zustands zu zeigen, visuell zu beschreiben, für den es keine Worte gibt.

Unterschätzt wird oft, dass die Erfahrung selbst kein in sich abgeschlossenes Ereignis ist, sondern eingebettet in absolut individuelle Biografien, Lebensumständen, sozialen Geflechten, subtilen Beziehungsmustern und in so unterschiedlichen Verläufen existiert, dass vieles in diesem Zusammenhang nicht klar zu benennen und voneinander abzugrenzen ist. Für die vielen Facetten des Empfinden gab/gibt es im allgemeinen Sprachgebrauch kaum Vokabular, geschweige denn Aufmerksamkeit.

Es entsteht ein ständiger Kampf der Verdrängung und Anerkennung, ein Wettlauf mit sich selbst.

Was meiner Meinung nach in den meisten Debatten völlig vergessen wird, ist, dass sehr sehr viele Opfer, ganz gleich ob männlich oder weiblich, in welchem Ausmaß und aus welcher Schicht, in Strukturen von Macht und Ohnmacht hineingeboren werden und mit ihnen wie selbstverständlich aufwachsen.

Viele Missbrauchsopfer waren, sind und werden wiederum Mütter und Väter –  in den vergangenen Jahrhunderten gab es keine Aufklärung, Reflexion oder überhaupt nur Anerkennung für dieses Thema – das heißt: es gab es auch nicht.

Hinzu kommt, dass unser Gehirn eben diese Erfahrungen, die es nicht einordnen kann, die überfordern und das seelische und körperliche Wohl gefährden (vor allem bei kleinen Kindern), postum ins Unterbewusstsein verdrängt werden. Was nichts anderes bedeutet, als dass für die Person ganze Erinnerungen „gelöscht“ sind, um zu überleben. Aber es bleibt eine Lücke  – ein unbespielter Raum, leere Seiten verbunden mit diffuser Angst, unerklärlichem Misstrauen und einem „Sich-selbst-nicht-Verstehen“.

Für viele beginnt irgendwann eine Suche, mit der Angst verbunden zu finden. Denn nicht immer hält das Unterbewusstsein dicht, und ab einer gewissen Altersstufe traut das Gehirn scheinbar den Menschen mehr zu.

Ich bin überzeugt -dass niemand das Recht hat, Opfern einen Vorwurf zu machen.

‚Nein‘-sagen-Können ist keine Selbstverständlichkeit – und es ist ein größeres Dilemma, als man vielleicht denken mag – wenn für ein 3 Jähriges Kind zum Beispiel, beides in die absolute Katastrophe führt: Das Nein und das Ja.

Ich freue mich sehr, dass Magarete Stokowski vieles so gut auf den Punkt bringt, und so tapfer Interviews gibt, Sandra Konrad ein so wichtiges Buch, und Liv Strömquist mit ‚der Ursprung der Welt‘ einen der sicherlich wichtigsten Comics geschrieben hat. Ich danke allen, die ihre Stimme erheben und nicht müde werden, für Anerkennung zu kämpfen – denn sehr viel mehr ist es nicht.

Unter DOWNLOAD auf dieser Seite findet ihr das PDF zum Thema.

 

 

 

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